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Bericht von Bine

Am 30.01.2004 erreichten wir (Anni, Bernie und ich) gegen 18 Uhr Sandl in Öberösterreich. Leider mussten wir einige Zeit warten, bis wir in den Stake Out Bereich fahren durften, da es stark schneite und beim Einfahren schon einige Musher hängen geblieben waren. Erst als nach ca. 1,5 Stunden eine Raupe kam, wurden wir alle angehängt und einer nach dem anderen erreichte dann endlich seinen Stake Out. Die Startnummernausgabe fand unter freiem Himmel zwischen Schneebar und mit Holz geheizten Tonnen statt. Das hat allen sehr viel Spass gemacht. Es waren 48 Teilnehmer am Start und ca. 20 Minuten hinter mir startete Frantisek Chlan, was bei mir einiges an Unguten Gefühlen auslöste, da ich mit Assi das erste Mal in der Pulka Klasse starten wollte. Mama wollte diesmal mit Chugamooc und Fitzi in D2 starten, wurde aber, da keine weiteren Teilnehmer in D2, in die Klasse D1 mit eingeschoben. Nun gut, die Nacht über vor Aufregung nicht viel geschlafen, ging ich an den Start. Mama war mit Fitzi und Mooc mittlerweile wieder gut im Ziel und legte mit 27 Minuten keine schlechte Zeit hin und war nur etwas über 6 Minuten langsamer als das Huskyteam vor ihr. Nun stand ich also mit zitternden Händen und wackligen Knien am Start und hoffte, dass es mich nicht zu oft auf´s Hinterteil legte, dass Assi gut durchlief (sie war vorher noch nie auf einem Rennen in der Pulka und lief überhaupt noch nie auf einem Rennen alleine ohne Fitzi), und was weiss ich, was mir noch alles durch den Kopf schoss....
Kurz nach dem Start kam eine 360Grad-Kurve und dann gings auch schon bergab. Assi ging in vollem Speed und ich hielt mich an meiner tollen Ziesel-Pulka fest. Einfach traumhaft, wenn man nicht Langlaufen kann und sich dafür wunderbar festhalten kann. Am ersten Berg nach der Strassenüberquerung begannen die Probleme und Assi war überfordert. Sie blieb stehen und versteckte sich im Tiefschnee ausserhalb des Trails. Ich zog meine Ski aus und ging zu ihr. Wir liessen ein Team passieren und schon wollte Assi wieder laufen. So ging das eine ganze Zeit gut, und wenn Sie wieder ihre wahnsinnigen 5 Minuten hatte, so blieben wir einfach im Schnee sitzen, bis sie sich wieder weiter traute. Es überholten uns einige Teams. An einem leichten Anstieg sah Assi einen Streckenposten stehen und sprang wieder vom Trail. Das folgende 6er Team stürzte sich auf Assi und ich erschrak ganz schön. Zum Glück brachte der Musher das Team wieder auf den Trail und fuhr weiter. Ich konnte Assi dann mit viel gutem Zureden dazu bewegen weiterzulaufen. Endlich am Streckenposten vorbei ging es bergab und Assi lief so schön. Es war einfach nur herrlich und machte mir und auch Assi sehr viel Spass. Ich drehte mich nach der bergabstrecke kurz nach hinten um, um zu sehen ob ein weiteres Team folgte. Mir sträubten sich die Nackenhaare trotz des Schweisses: Es folgte ein Team Malamuten: Frantisek Chlan. Ich hielt sofort an, da mir die Gefahr bewusst war, und ging mit Assi vom Trail runter. Frantas Hunde kamen flott den Berg runter und so dachte ich mir, sie würden vorbeigehen. Falsch gedacht. Die Leader stürzten sich auf Assi und liessen nach Frantiseks Gebrüll von ihr ab. Ich wollte ihr helfen und stürzte an der Pulka vorbei um die Hunde von ihr wegzuhalten, worauf mich ein Hund von Frantisek zweimal in den Hintern biss. Ich habe geschrien wie am Spiess und Frantisek kam irgendwie an uns vorbei. Ich hing mit schmerzverzerrtem Gesicht über der Pulka, Assi stand zitternd davor. Frantisek drehte sich nach ca 20 Metern um und fragte was los sei. Ich rief ihm zu, dass mich sein Hund gebissen hat, aber er verstand es nicht und ich signalisierte ihm, weiterzufahren, da ich panische Angst hatte, dass noch mehr passierte. Als die Luft wieder “rein” war, kümmerte ich mich um Assi, aber sie hatte zum Glück keine Verletzungen. Ich beschloss weiterzufahren, nachdem ich abgecheckt hatte, dass ich nicht blutete. Assi lief komischerweise von nun an schön weiter, jedoch kam nach kurzer Zeit von hinten das nächste Gespann. Assi hörte es und legte sich vor Angst fast quer über den Trail und Helmut Peer sauste ohne Probleme an uns vorbei. Wir setzten danach das Rennen fort. Christian Muschau war der nächste, der kam. Er erkannte mein verheultes Gesicht und hielt an um zu Fragen was los war. Ich erklärte ihm die Kurzfassung und dass ich trotzdem weiterfahren wollte. Er bot mir an, mich mitsamt Assi einzuladen und ins Ziel mitzunehmen. Für diese faire Geste nochmals herzlichen Dank, Christian. Ich wollte aber durch, um Assi einfach gut ins Ziel zu bringen, damit sie den Schock leichter überwindet. Dann sah ich noch Dr. Vaclav Juza im Anmarsch, und packte mit Hilfe eines Fotografen Assi samt Pulka ca. 100 Meter ausserhalb des Trails. Als Vaclav vorbei war, nahm ich die Strecke wieder in Angriff und an der nächsten Kreuzung bog ich auf die kürzere “C”-Strecke ab. Karin Kraus wies mich darauf hin, dass ich falsch abgebogen war, worauf ich ihr meine Lage erklärte. Sie wollte auch sofort ein Auto holen um uns nach Hause zu bringen, aber ich wollte weiterfahren. Angeblich sollte ich, wenn ich auf die grosse Strecke wieder einbog, keinen anderen Musher mehr treffen und ich fuhr etwas beruhigt wieder weiter. Assi machte es wieder Spass durch den Wald zu laufen und die Pulka zu ziehen. Mir machte es auch wieder Spass und ich verdrängte das schmerzende “Heck”. Als wir dann wieder auf den eigentlichen Pulka-Trail einbogen gings rechts einen kurzen Berg rauf. Ich drehte mich um und sah zu meinem Entsetzen wieder Frantisek kommen. Ich trieb Assi den Berg rauf und rannte was das Zeug hielt mit den Skiern hinterher. Oben angekommen wandte ich mich mittlerweile schon hysterisch vor Panik an den Streckenposten und die Zuschauer. Diese halfen mir sofort und verfrachteten Assi und mich sofort in eine sichere Entfernung zum Trail. Mit meinen Skistöcken “bewaffnet” warteten Sie auf das Vorbeifahren des Teams. Und wie sollte es auch anders sein, Frantas Hunde schauten nicht mal mit einem Auge zu uns herüber. Ich lag nur noch heulend auf Assi und nach einiger Überzeugungsarbeit durch die Helfer fuhr ich auf der Strasse wieder zurück Richtung Sandl. Angeblich sollte nicht mit Sand gestreut sein und alles voller Schnee. Assi hatte ihre Ohren zugemacht und hörte auf kein Kommando mehr. Auch als der Schnee aufhörte und die gestreute Strasse durchkam, die Pulka und meine Skier über den Teer kratzten, wurde sie nicht langsamer. Plötzlich bekam sie einen absoluten Vogel und ging einfach in eine Seitenstrasse, blieb stehen und bewegte sich keinen Milimeter mehr. Weder vor noch zurück. Ich hatte meine Ski mittlerweile schon auf die Pulka geladen und ging nun mit Assi am Halsband weiter Richtung Sandl. Karin hatte mittlerweile Mama im Stake Out Bescheid gegeben und sie machte sich sofort auf den Weg mich zu suchen. Ca. 1km vor dem Stake Out kam sie mir entgegen und wir fielen uns in die Arme. Nachdem ich ihr die Kurzfassung erzählt hatte und sie sich von Assis Glück und meiner Verletzung überzeugt hatte brachte sie uns sicher in den Stake Out zurück. Assi mussten wir dann schon mitziehen. Sie wollte nicht mal mehr voraus laufen. Am Stake Out angekommen, wurde Assi erstmal mit Leber belohnt und geknutscht. Dann schaute sich Mama meine Verletzung an und auch Manfred Komac, der sich bei uns am Wohnwagen nach dem Vorfall erkundigen wollte musste sich meine “Backside” ansehen. Auf anraten einiger Musher fuhren wir zum Arzt und ich hatte Glück, dass es nicht schlimmer war. Beim Musherabend saß ich nur auf den Oberschenkeln, da “normales” Sitzen nicht möglich war. Ich hatte mit Manfred Komac ausgemacht, dass ich aber am nächsten Tag mit Assi als allererste starte, damit Assi durch die Überholmanöver der Kinder (die mit seinen Hunden fuhren) die Angst vor ankommenden Gespannen leichter überwinden kann. Assi lief auch am zweiten Tag sehr schön, nur ab und zu bekam sie Angst Attacken und verkroch sich im Tiefschnee, lief aber nach kurzer “Bockzeit” wieder schön weiter. Es war ein herrlicher Lauf und ich konnte mit Assi nach knapp 40 Minuten die kurze “C” Strecke im Ziel ohne Zwischenfälle beenden.Ich war sehr glücklich!!!! Mama war am zweiten Tag 1 Minute langsamer als am Vortag und blieb gegen die Huskies auf Platz 6 in der Wertung.  Ich war sehr stolz auf sie. Bei der Siegerehrung bekam ich als kleines Dankeschön, dass ich am zweiten Tag nochmal gefahren bin ein Sektglas gefüllt mit Süßigkeiten und ein Küsschen vom Rennleiter!!! Nachdem ich noch einen Mercedes-Bus (Zitat: “den bringst du mit deinem Subaru nie raus, der ist viel zu schwer”)  plus Wohnwagen ganz lässig rausgezogen hatte, machten wir uns wieder auf den Heimweg, der sich sehr lange hinzog, da das Sitzen ordentlich schmerzte!!!!
Ich möchte mich hiermit noch ganz herzlich für die Fürsorge aller Musher und des Rennleiters Manfred Komac mit Team bedanken. Es war trotzden ein tolles Rennen, das ich gerne wieder fahren werde! (VORAUSGESETZT: Frantisek kommt nicht in meine Nähe!!!!)

Leider habe ich bis heute noch nicht mal eine Entschuldigung von Frantisek gehört, da er angeblich den Vorfall nicht mitbekommen hatte......

Vielleicht sollten sich die Rennleiter und/oder Verbände zusammentun und Musher, die nachweislich aggressive Hunde dabei haben, von den Rennen ausschliessen, damit nicht nochmal etwas passiert, das dann u.U. noch schlimmer ausgehen kann!!!

Meine Langlaufski (eigentlich Mama´s nagelneue Ski) sowie der Belag der Pulka ist komplett kaputt und den seelischen Schaden, den Assi und auch ich davon getragen haben möchte ich nebenbei auch noch kurz erwähnen!!!!!!!!!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

©2004 by Bine

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© by Bine

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